Zertifizierung von nachhaltiger Biomasse

Was ist nachhaltige Biomasseerzeugung?

Der Anbau der Pflanzen, die für die energetische Nutzung herangezogen werden, darf im Interesse des Umwelt-, Klima- und Naturschutzes keine besonders schützenswerten Flächen (z.B. Regenwälder) oder Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand (z.B. Feuchtgebiete, Torfmoore) zerstören. Gegenüber fossilen Energieträgern muss der Einsatz von Biomasse zur Energieerzeugung eine Treibhausgaseinsparung aufweisen. Deshalb werden die gesamten Treibhausgas-Emissionen vom Anbau der Biomasse bis zur Lieferung des fertigen Produktes an den Endverbraucher berechnet.

Warum wurden die Nachhaltigkeitsverordnungen eingeführt?

Um den Klima- und Ressourcenschutz voran zu treiben und den derzeitigen CO2-Ausstoß zu vermindern, soll die nachhaltige energetische Nutzung von Biomasse und damit der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden.

Dieses politische Ziel entspricht der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Mit den Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnungen (Biokraft-NachV und BioSt-NachV) wird der vorgegebene Rahmen der Europäischen Union der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Mit der Richtlinie 2009/28/EG wurden Nachhaltigkeitsanforderungen für die energetische Nutzung von Biomasse festgelegt. Davon sind alle Formen von flüssiger Biomasse, insbesondere Pflanzenöle wie Palm-, Soja- und Rapsöl sowie flüssige und gasförmige Biokraftstoffe wie Biodiesel, Pflanzenölkraftstoff, Bioethanol und Biogas betroffen.

Wann muss Biomasse für die energetische Nutzung als „nachhaltig“ zertifiziert sein?

Biokraftstoff (z.B. Bioethanol) und flüssige Biomasse für die Stromerzeugung (z.B. Pflanzenöle), die ab 01.01.2011 eingesetzt werden, müssen die Vorgaben der Nachhaltigkeitsverordnungen einhalten, sofern eine der folgenden Vergütungen oder Steuerentlastungen in Anspruch genommen werden soll:

•Steuerentlastungen des Nachweispflichtigen gemäß § 50 EnergieStG

•Anrechnung der Biokraftstoffe auf die Biokraftstoffquote nach §§ 37a ff. BimschG

•Anspruch auf Vergütung nach § 27 Abs. 1 EEG bzw. auf den NawaRo-Bonus nach § 27 Abs. 4 EEG.

 Eine Zertifizierung von Biomasse nach REDcert² ist gesetzlich nicht verpflichtend und erfolgt daher auf freiwilliger Basis.

Wer ist zertifizierungspflichtig?

Grundsätzlich gelten die Vorgaben der Nachhaltigkeitsverordnungen für die ganze Produktionskette vom Anbau der Biomasse über die Verarbeitung und Lieferung bis zum Anlagenbetreiber.

Alle Betriebe entlang der Herstellungs- und Lieferkette, die zertifizierungsbedürftig sind, werden als „Schnittstellen“ bezeichnet. Die Zertifizierung beginnt beim Ersterfasser. Dabei handelt es sich um Betriebe, die geerntete Biomasse erstmals vom Anbaubetrieb aufnehmen - also vor allem Landhandelsunternehmen und Warengenossenschaften. Alle anderen Unternehmen der weiteren Verarbeitungsstufen (z.B. Ölmühlen) bis zum Biokraftstoffhersteller müssen sich ebenfalls zertifizieren lassen. Darunter fallen alle Betriebe, die flüssige oder gasförmige Biomasse für die Endverwendung auf die erforderliche Qualitätsstufe aufbereiten, wie z.B. Veresterungsanlagen, Hydrier- bzw. Co-Hydrieranlagen, Bioethanol-Produktionsanlagen oder Biogasanlagen

Grundsätzlich gilt, dass jede Schnittstelle zum Zeitpunkt der Annahme, bzw. Weitergabe von verordnungskonformer Biomasse an die nächste Schnittstelle zertifiziert sein muss.

Gibt es spezielle Regelungen für kleine Betriebe/Unternehmen?

Spezielle Regelungen für kleine Betriebe/Unternehmen gibt es nur im System REDcert-DE. Die Einstufung in Klein- und Kleinstbetrieben erfolgt über die Anzahl der Standorte, die als Schnittstelle eine Nachhaltigkeitszertifizierung benötigen, über ihre Stellung im Rahmen eines Unternehmensverbundes und über den Jahresumsatz an nachhaltiger Biomasse (Tonnage). Klein- und Kleinstbetriebe dürfen demnach nur 1 Standort haben. Bei der Jahresproduktion gilt für Kleinstbetriebe eine Produktionsmenge von ≤ 500 t und für Kleinbetriebe ≤ 1000 t. Die Erleichterung für kleinere Betriebe beruht vor allem auf einer abgestuften Kontrollfrequenz, nach der „Kleinbetriebe“ mindestens alle 3 Jahre und „Kleinstbetriebe“ alle 5 Jahre kontrolliert bzw. zertifiziert werden müssen.

Werden die liefernden Anbaubetriebe nachhaltiger Biomasse und weitere Lagerstätten meines Betriebes auch kontrolliert?

Die Anbaubetriebe geben gegenüber dem Ersterfasser eine Selbsterklärung ab, mit der sie die Einhaltung der Nachhaltigkeitsverordnungen bestätigen. Dies wird im Rahmen einer jährlichen Stichprobenkontrolle geprüft. Die Stichprobe umfasst je Ersterfasser mindestens 3% der Anbaubetriebe (REDcert-DE System) bzw. die Wurzel aus der Gesamtzahl der liefernden Anbaubetriebe (REDcert EU-System). Auch unselbständige Lagerstätten (Lagerung von Biomasse, jedoch keine eigene Rechnungsstellung) werden durch Stichprobenkontrollen im Rahmen der Kontrolle des Ersterfassers geprüft.

Müssen sich landwirtschaftliche Betriebe, die nachhaltige Biomasse liefern möchten, einzeln zertifizieren lassen?

Nach dem Zertifizierungssystem REDcert-DE müssen sich landwirtschaftliche Betriebe nicht zertifizieren lassen. Sie müssen aber mindestens die Anforderungen eines nach den Nachhaltigkeitsverordnungen anerkannten Zertifizierungssystems erfüllen. Im Rahmen der Zertifizierung von Ersterfassern werden die betreffenden landwirtschaftlichen Zulieferbetriebe stichprobenartig kontrolliert und erhalten bei einem positiven Kontrollergebnis eine Kontrollbescheinigung.

Nach dem Zertifizierungssystem REDcert-EU und REDcert² müssen sich auch die landwirtschaftlichen Betriebe zertifizieren lassen. Meist erfolgt dies im Rahmen einer Gruppenzertifizierung.

Was ist eine Gruppenzertifizierung?

Nach dem Zertifizierungssystem REDcert-EU müssen sich auch landwirtschaftliche Betriebe zertifizieren lassen. Meist wird jedoch eine Gruppe gebildet, bei der alle Landwirte unter dem Ersterfasser zusammengefasst werden und sie somit nicht einzeln zertifiziert werden müssen. Der Ersterfasser tritt in diesem Fall als „Gruppenkopf“ auf und verwaltet diese Gruppe.

Was ist eine Selbsterklärung und über was müssen Betriebe darin Auskunft geben?

Selbsterklärungen müssen von den landwirtschaftlichen Betrieben ausgefüllt werden, die nachhaltige Biomasse an die Ersterfasser liefern. Sie machen in der Selbsterklärung Angaben dazu, dass ihre Biomasse nicht von sogenannten „schützenswerten Flächen“ stammt; ob sie Empfänger von Direktzahlungen sind und wie die Treibhausgasemissionen berechnet werden. Die Richtigkeit der Angaben wird im Rahmen der Stichprobenkontrollen überprüft. Die Selbsterklärungen zum Download finden Sie hier.

Müssen die Kontrollen der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort erfolgen?

Ja. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat unmissverständlich klargestellt, dass die Stichprobenkontrollen der landwirtschaftlichen Betriebe und Betriebsstätten (Läger) des Erfassungshandels vor Ort erfolgen müssen.

Bis wann muss die Stichprobenkontrolle der landwirtschaftlichen Betriebe abgeschlossen sein?

Die Stichprobenkontrolle der landwirtschaftlichen Betriebe muss vor der Zertifikatsausstellung für den jeweiligen Ersterfasser durchgeführt werden.

Ist es relevant, ob weitere Betriebsstätten existieren?

Ja, diese müssen im Rahmen des Audits mitkontrolliert werden und daher auch von Ihnen bei REDcert und der QAL Umweltgutachter GmbH gemeldet werden. Im Rahmen des EU Systems wird beispielsweise die Anzahl der Wurzel der Betriebsstätten kontrolliert.

Welche Aufgabe hat die Zertifizierungsstelle?

Zertifizierungsstellen sind von der BLE anerkannte Organisationen. Diese überprüfen anhand der Vorgaben von Zertifizierungssystemen, ob die Anforderungen der Verordnungen entlang der Produktions-, Handels- und Lieferkette eingehalten werden.

Wie lange dauert es bis eine Zertifizierung abgeschlossen ist?

Sobald Sie mit der QAL Umweltgutacher GmbH und mit dem Systemgeber REDcert einen Vertrag abgeschlossen haben und uns ein Exemplar unseres Dienstleistungsvertrages unterschrieben vorliegt, werden wir die erforderliche rechtsverbindliche Erklärung bezüglich der Beauftragung einer Zertifizierungsstelle gegenüber REDcert erledigen. Danach wird sich einer unserer Auditoren persönlich mit Ihnen in Verbindung setzen um einen Kontrolltermin zu vereinbaren. Nach positiv bestandener Kontrolle erhalten Sie von uns Ihr Zertifikat. Das einzig rechtsgültige Zertifikat wird von uns jedoch bei REDcert über das online Zertifizierungsportal hochgeladen und kann von Ihnen und anderen Interessenten öffentlich eingesehen werden. Das Ergebnis, bzw. das Zertifikat wird zudem in elektronischer Form auch an die BLE gemeldet. Im Interesse unserer Kunden bemühen wir uns, die Kontrollen so abzustimmen, vorzubereiten und zu straffen, dass die Zertifizierung möglichst zügig abgeschlossen werden kann. Selbstverständlich wollen und müssen wir allerdings die Vorgaben des Systemgebers sowie des Gesetzes erfüllen und die Zertifizierung entsprechend der vorgegebene Fristen durchführen.

Wie lange ist mein Zertifikat gültig?

Ein Zertifikat ist im Normalfall ein Jahr gültig. Eine Ausnahme stellen Zertifikate für die sogenannten Klein- und Kleinstbetriebe dar. Das Zertifikat für einen Kleinstbetrieb ist ab Ausstellungsdatum fünf Jahre und für einen Kleinbetrieb drei Jahre gültig. Die landwirtschaftlichen Stichproben finden aber auch in den Ausnahmefällen jährlich statt.

Wozu dient die Überwachungskontrolle?

Eine Überwachungskontrolle wird nur im Zertifizierungssystem REDcert-DE durchgeführt. Die Zertifizierungsstelle kontrolliert spätestens sechs Monate nach Ausstellung des ersten Zertifikates, ob die Betriebe die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Zertifikates weiterhin erfüllen. Die Frist für dieses Überwachungsaudit darf nicht überschritten werden, andernfalls wird dem betreffenden Betrieb das bestehende Zertifikat entzogen. Eine erneute Zertifizierung ist nur mit einer erneuten Kontrolle vor Ort möglich.

Kann bei der jährlichen Zertifizierung sichergestellt werden, dass das neue Zertifikat direkt im Anschluss an das alte in Kraft tritt und es keine Überschneidungen gibt?

Zwischen dem Kontrolldatum und der Zertifizierungsentscheidung dürfen 2 Wochen ohne Abweichungen bzw. 4 Wochen (System REDcert-DE) oder 6 Wochen (System REDcert-EU und REDcert²) liegen. Werden die jährlichen Kontrollen (Re-Audits) vor dem Ablauf des alten Zertifikats durchgeführt, schließt die Laufzeit des Folgezertifikats im Normalfall an das ablaufende Zertifikat an, so dass Nachteile für Ihren Betrieb durch eine schleichende Verkürzung der Zertifikatslaufzeiten ausgeschlossen werden können. Im Interesse unserer Kunden bemühen wir uns, die Kontrollen so abzustimmen, vorzubereiten und zu straffen, dass möglichst keine Verkürzung der Laufzeit anfällt. Selbstverständlich wollen und müssen wir allerdings die Vorgaben des Systemgebers sowie des Gesetzes erfüllen und die Zertifizierung entsprechend der vorgegebene Fristen durchführen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Systemen REDcert-DE, -EU und 2?

REDcert-DE REDcert-EU REDcert²
Gültigkeitsbereich des Zertifikates Biomasse zur energetischen Nutzung/ Deutscher Markt Biomasse zur energetischen Nutzung/ Europäischer Markt Biomasse im Bereich Lebensmittel/ für Teile des europäischen Marktes
Gültigkeitsdauer des Zertifikates (Kontrollhäufigkeit 1 Jahr, Ausnahme Kleinbetrieb: 3, Kleinstbetrieb 5 1 Jahr 1 Jahr
Spezielle Regelungen für Klein- und Kleinstbetriebe Ja Nein Nein
Anzahl landwirtschaftlicher Stichproben (Lieferanten nachhaltiger Biomasse 3 % der Gesamtanzahl der liefernden Betriebe Wurzel aus der Gesamtanzahl der liefernden Betriebe (bei Möglichkeit der Gruppenzertifizierung, ansonsten Einzelzertifizierung der Betriebe)
Wurzel aus der Gesamtanzahl der liefernden Betriebe (bei Möglichkeit der Gruppenzertifizierung, ansonsten Einzelzertifizierung der Betriebe)
Notwendiger Bilanzierungszeitraum Massenbilanz Max. 3 Monate Max. 3 Monate, einmalig bis 12 Monate
Überwachungskontrolle (6 Monate nach Ausstellung des ersten Zertifikates) Notwendig Nicht notwendig Nicht notwendig